Winning Poker - Allgemeines - Position
Egal welche Poker Variante man spielt Position ist ein sehr wichtiges Element. Man hat die meisten Informationen und kann viel besser auf den Gegner reagieren. Egal ob Full Ring (FR) oder Short Handed (SH) wenn man am Button (BU) sitzt dann hat man einen Vorteil und kann auch schlechtere Hände spielen. Darum erkläre ich heute die Vorteile von Position auf seine Gegner.
Position
Es gibt verschiedene Gründe warum man als Letzter agieren will und warum es schlechter ist der Erste zu sein der eine Aktion macht. Ich erkläre hier 4 Punkte:
- Informationsvorsprung
- Kontrolle des Pots
- Freecards nehmen
- Isolation schwacher Gegner
Informationsvorsprung
Ob Preflop oder Postflop, wenn alle Gegner vor einem agieren müssen dann hat man einen bedeutenden Vorteil. Ihr seht ob eure Gegner stark betten, könnt starke Hände weiterspielen und schwache einfach folden. Zeigt niemand Interesse am Pot könnt ihr leichter bluffen und bietet das Board Draws, dann könnt ihr den Gegner schlechte Odds auf ihre Calls geben.
Sicherlich gibt es auch Hände die man “out of position” (OOP) spielen muss und kann, dennoch ist es viel profitabler nach seinen Gegnern an der Reihe zu sein. Ihr könnt somit mehr schwache Hände spielen, während ihr OOP eher folden solltet. Eine Hand wie 87s lässt sich wunderbar spielen wenn ihr seht, dass schon 2 oder 3 Gegner eingestiegen sind. Seid ihr aber zuerst dran, dann müsst ihr oft folden, weil ihr nicht wisst was hinter euch geschieht (Raises, viele oder keine Calls, etc.).
Kontrolle des Pots
Auch Pot-Control genannt. Pot-Control ist vor allem Postflop wichtig. Ihr könnt so mit schwachen Händen z.B. checken wenn sich das Board anbietet. So bläht ihr den Pot nicht auf und gebt dem Gegner noch die Chance zu bluffen. Vor allem am Turn ein beliebtes Instrument. Ein Beispiel dazu:
Wir halten A9s und der Flop zeigt A 3 3. Es seien keine Flushdraws möglich. Nun bettet man am Flop ca. 2/3-3/4 des Pots und bekommt einen Call. Der Turn bringt eine Q. Unser Gegner checkt jetzt wieder. Ohne den Gegner genauer zu kennen, sollte man einfach checken. Eine Bet vertreibt oft schlechtere Hände und nur bessere bleiben. Man entgeht der Gefahr eines Check-Raises auf den man folden müsste und lädt den Gegner noch zusätzlich ein zu bluffen oder gar mit einer Q noch den River zu callen.
Hat man hingegen keine Position so spielt sich ein Großteil der Hände unangenehm und der Pot wächst an während wir eine womöglich dominierte Hand halten:
Wir halten wieder A9s das Board ist wieder A 3 3 ohne Draws. Diesmal sind wir vor dem Gegner an der Reihe. Der Flop wird gebettet und wir bekommen einen Call. Nun stehen wir am Turn vor einem Problem. Wir wissen nicht was der Gegner hat. Eine Bet lässt den Pot größer werden und vertreibt viele schlechtere Hände. MIt besseren Händen kann der Gegner einfach raisen oder callen und der River wird schlecht.
Wenn wir jetzt checken dann kann der Gegner einfach betten. Er sieht Schwäche und gewissermaßen hat er Recht damit. Bei einem Call müssen wir den River oft nochmal checken und geben dem Gegner nochmal die Chance einen Bluff zu machen, so dass wir eine unangenehm große Bet eventuell callen müssen. Und natürlich kann er am Turn und River seine starken Hände auch schön valuebetten.
Das bringt uns auch schon zum nächsten Punkt:
Freecards nehmen
Das Konzept ist etwas ähnlich zu Pot-Control und wird am besten an einem Beispiel klar:
Wir sitzen am Button und halten 76s in
. Preflop raisen wir und versuchen die Blinds zu stehlen, jedoch bekommen wir einen Call vom SB. Der Flop bringt K
2
8
. Da der SB den Flop wohl oft verfehlt hat betten wir mit unserem Flushdraw um den Pot einzusacken. Sollte der Gegner folden dann gewinnen wir sofort, sollte er nur callen können wir vielleicht noch den Flush machen.
Der Gegner callt unsere Bluffbet und der Turn bringt Q
, also keine Hilfe für uns. Der SB checkt jetzt wieder zu uns. Anstatt jetzt zu betten und einen Check-Raise zu riskieren oder noch einen Call von einem K zu bekommen, können wir einfach checken und haben somit nochmal die Chance auf den Flush. Trifft der Flush, dann können wir am River noch eine Bet machen oder eine Bet des SB raisen. Treffen wir nicht, dann fällt es uns nicht schwer Abschied von der Hand zu nehmen. OOP wäre dies nicht so einfach gegangen, da der Gegner einfach hätte selber betten können um mit einem K seine Hand zu schützen vor Draws. Da jedoch auf eine Bet sehr oft zum Raiser gecheckt wird, konnten wir eine Freecard am Turn nehmen und somit gratis drawen.
Insbesondere auf den kleinen Limits wird gern zum Raiser gecheckt und geschaut wie er reagiert. Aus diesem Grund kann man sich so mit einem Draw durch einen sogenannten Semi-Bluff eine gratis Karte verschaffen. Besonders gegen wenige Gegner kann man den Pot oft direkt mitnehmen und wenn nicht, kann man sich entscheiden zwischen einem erneuten Bluff, einer Valuebet wenn man trifft oder der Möglichkeit eine Freecard zu nehmen.
Isolation schwacher Gegner
Das Konzept greift vor allem Preflop, aber es gibt auch einige Postflop-Situationen in denen man es anwenden kann. Ein Beispiel veranschaulicht es wieder am besten:
Wir sitzen im Cutoff (CO) und halten KTs. Ein sehr looser und passiver Spieler limpt vor uns, sonst ist noch keiner in die Hand eingestiegen. Da wir gegen diesen Gegner wohl oft die bessere Hand halten beschließen wir zu raisen. Der BU hält eine Hand wie KJo oder A7s. Beide Hände sind uns überlegen und wenn wir unsere Hand nur gelimpt hätten, dann wäre der BU mit aller Wahrscheinlichkeit mit eingestiegen. Durch unseren Raise zeigen wir aber Stärke und BU foldet diese Hände oft. Am Flop sind wir dann meist mit dem isolierten Gegner allein und können mit Position auf ihn oft gewinnen.
Einen schwachen Gegner zu isolieren ist sehr profitabel, solange keine sehr loosen oder aggressiven Spieler nach euch an der Reihe sind. Gute Spieler erkennen allerdings wenn ihr einen schwachen Gegner zu oft isoliert und versuchen euch deshalb mit einem erneuten Raise aus der Hand zu treiben. Daher sollte man sehr genau auf die Gegner schauen und es nicht übertreiben.
Es gibt sicherlich noch einige andere Aspekte oder Situationen in denen sich der Positionsvorteil positiv auswirkt. Dennoch sollte man es nicht übertreiben und zuviel schlechtes Raisen nur weil man jetzt am BU sitzt. Gezieltes Ausnutzen eurer Position wird euch sehr viel Geld bringen und das Spiel erleichtern. Natürlich lässt es sich nicht vermeiden auchmal aus Under the Gun (UTG) zu spielen, aber das gleicht man dann mit stärkeren Händen aus.
October 17th, 2008 at 9:15
Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen du vierzeilige Heulposts mit Graphen veröffentlicht hast. Nach ein paar Wochen (oder Monaten) habe ich dich in meinem Feedreader wiederentdeckt und muss sagen, dass du dich echt gemacht hast. Die Strategieartikel sind für mich leider nicht so ganz hilfreich, weil ich FR spiele, aber trotz allem ist das hier sehr professionell und angenehm zu lesen geworden. Mach’ weiter so.
October 18th, 2008 at 2:05
Also die Heulposts gibt es in meinem Thread auf Pokerstrategy.
Passt hier nicht so gut hin. Hier sollen mehr so allgemeine Infos erscheinen und anderes Zeug. Spezielle Hände werd ich wohl schon ab und an mal wieder posten, aber dann in sinnvollem Kontext.