Winning Poker - Allgemeines - Bet-Sizes
Mit dem ersten Teil der Serie habe ich das Thema Odds & Outs behandelt. Das heutige Thema ist nicht ganz so komplex, dennoch ist es nicht so trivial wie man denken mag. Ich werde erklären welche Faktoren zu beachten sind wenn man sich für die Größe einer Bet oder eines Raises entscheidet.
Bet-Sizes
Die Wahl der richtigen Betgröße ist in No Limit Texas Hold’em sehr wichtig. Anders als im Fixed Limit kann man selber entscheiden wieviel man einsetzen möchte. Dabei sollte man sich nicht nur an den Stacks sondern auch an der Größe des Pots orientieren.
Im Artikel über Odds & Outs habe ich erklärt wie man dem Gegner schlechte Odds geben soll um ihn so einen möglichst großen Fehler machen zu lassen. Nun gehe ich weiter darauf ein wie man geschickt die Betgröße wählt.
Es gibt 3 große Faktoren, die man bei der Wahl seiner Bet oder seines Raises beachten sollte:
- Potgröße
- Board-Textur
- Effektive Stacksize
Potgröße
Mit wenigen Ausnahmen gilt fast immer, dass man den Pot nicht “overbetten” sollte, d.h. nie mehr betten als überhaupt im Pot ist. Das vertreibt nur unnötig viele Gegner und man kann nicht profitabel bluffen. Also ist eine Bet-Größe von ganzer Potsize im Regelfall das Maximum.
Was ist jetzt das Minimum? Generell ist alles unter der Größe einer halben Potsize eine Einladung an die Gegner uns günstig zu schlagen. Halbe Potsize ist damit, wieder bis auf wenige Ausnahmen, die untere Grenze. Denn ist die Hand so schwach, dass sie keine angemessene Bet rechtfertigt, dann sollte man überlegen ob ein Check nicht vielleicht sinnvoller ist.
Jetzt gibt es also einen groben Rahmen: halbe Potsize bis ganze Potsize. Wieviel nun genau? Wenn man eine starke Hand hat, sollte man soviel betten wie der Gegner noch bereit ist zu callen. Callt er also sehr loose und auch große Bets dann sollte man auch möglichst viel betten um seinen Gewinn zu maximieren. Ist er eher ein ängstlicher Gegner dann lieber etwas kleiner betten um ihn nicht zu vertreiben.
Bluffs sollten so groß wie nötig sein, aber so klein wie möglich. Wenn also eine Bet von 2/3 Pot-Size den Gegner zum Folden bringt, dann muss man nicht 3/4 Pot-Size betten. Dennoch sollte man nicht eine halbe Pot-Size-Bet (PSB) als Bluff machen wenn der Gegner diese etwas lieber callt als eine 2/3 PSB. Jeder Gegner ist unterschiedlich und mit etwas Beobachtung eurer Gegner könnt ihr schnell die “Schmerzgrenze” feststellen und so gut ausbezahlt werden und günstig bluffen.
Board-Textur
Ein weiterer Einfluss auf eure Betgröße sollte die Struktur des Boards haben. Sind viele Draws möglich und ihr habt eine starke Hand, dann solltet ihr stärker betten um die Draws etwas mehr zahlen zu lassen. Gegen viele Gegner auf einem sehr ungemütlichen Board (z.B. T
J
3
) wollt ihr mit einer starken Hand wie einem Overpair oder Set eure Gegner möglichst viel bezahlen lassen. Die Wahrscheinlichkeit das jemand auf diesem Board einen Draw hat (auf den Flush oder die Straight) ist recht hoch bei 3 Leuten. Da auf den Limits bis NL100 gerne viel gecallt wird, kann man die Leute schön bezahlen lassen.
Das Gegenteil ist der Fall auf einer Board wie A
3
8
. Hier sind keine Draws möglich, wenn also jemand callt dann mit einer sehr starken oder sehr schwachen Hand. Hält man nun AK muss man nicht sonderlich viel betten, da man entweder vorn ist oder gegen ein Monster spielt. Besonders bei nur einem Gegner an diesem Flop kann man sich sicher sein, dass er nicht sehr viel callen kann, außer er ist sehr loose. Daher reicht hier eine Bet von 2/3 Potsize vollkommen. So kann man auch sehr günstig bluffen wenn man kein A auf der Hand hält, denn die Gegner werden oft folden (mehr dazu in späteren Artikeln).
Effektive Stacksize
Der letzte große Faktor der Einfluss auf die Größer einer Bet hat ist die effektive Stacksize. Wenn z.B. auf NL100 ihr mit $140 am Tisch sitzt und euer Gegner nur $80 hat, dann ist die effektive Stacksize $80. Gegen mehrere Gegner mit unterschiedlichen Stacks wird es daher etwas kniffliger die richtige Größe zu finden.
Wie beeinflusst nun die Größe des Stacks die Größe eurer Bets? Nehmen wir an wir halten eine starke Hand und haben vor dem Flop schon geraist. Am Flop ist unsere Hand weiterhin gut und wir sehen uns gegen fast alle Hände vorn. Wenn der Gegner nur einen kleinen Stack hat, dann muss man nicht stark betten und lädt ihn so etwa zu Bluffs oder schlechten Calls ein. Wenn wir den Gegner eh am Turn All-In setzen können oder nicht gegen ihn drawen weil sein Stack zu klein ist, dann hat er nicht so starke Implied Odds oder bekommt Geld mit Draws von uns wie ein Gegner mit vollem Stack. Am einfachsten ist es meiner Meinung nach gegen Leute mit dem vollen Stack (also 100 BB) zu spielen. Bei kleineren effektiven Stacks muss man sich ein paar Gedanken mehr über die Bets machen, hierzu aber ein Beispiel:
Wir halten K
Q
und haben $100 im Stack. Unser Gegner hat nur $50. Wir raisen vor dem Flop auf $4 und der Gegner callt aus dem BB. Mit den Blinds sind jetzt $8,50 im Pot. Der Gegner checkt zu uns und wir betten $7, da das Board viele Draws bietet (Q
T
2
). Der Gegner callt. Damit sind $22,50 im Pot und unser Gegner hat noch einen Stack von $38. Nehmen wir an der Gegner hält einen Flushdraw. Betten wir $20 wird der Pot bei seinem Call am River auf $62,50 angewachsen sein und der Gegner hat noch $18 übrig. Wir müssen seine Bet also callen, egal ob der Flush ankam oder nicht, denn er könnte auch einen Großteil anderer Hände so spielen oder gar versuchen uns zu bluffen. Damit hat der Gegner Implied Odds. Diese sind zwar nur 3:1 und somit nicht profitabel für seinen Call auf einen reinen Flushdraw, aber man könnte dies auch günstiger für ihn aussehen lassen:
Betten wir $15 am Turn, dann ist der Pot am River $52,50 groß und der Spieler im BB hat jetzt noch $23 übrig. Wenn er jetzt bettet müssen wir auch so gut wie immer callen, da er wieder bluffen könnte oder eine Hand wie AT in einen Bluff verwandeln will. Hat er aber wirklich den Flush, dann waren seine Implied Odds am Turn viel größer (er musste jetzt nur $15 callen für den gleichen Gewinn wie vorhin bei $20).
An dem Beispiel erkennt man, dass man sich genau überlegen sollte wieviel man bettet und was man damit erreichen will. Für Raises gilt das gleiche, nur müsst ihr hier vorher entscheiden ob ein Raise sinnvoll ist. Überlegt ihr immer wie stark eure Hand ist und wie groß euer Stack im Verhältnis zum Pot ist, insbesondere nach einer Bet, dann könnt ihr unangenehmen Situationen entgehen und müsst keine “Crying Calls” machen, weil die Pot Odds so gut sind.
December 3rd, 2008 at 9:26
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